Malatya – Eine Stadt, die ihr Wasser aus den Bergen bekommt
Malatya.
Für viele ist die Stadt im Osten der Türkei vor allem eines: die Heimat der berühmten Aprikosen. Und tatsächlich begegnet man der Kayısı, wie die Aprikose auf Türkisch heißt, hier fast überall.
Doch Malatya hat noch etwas anderes, das die Stadt besonders macht.

Wasser.
Klares Wasser, das aus den Bergen kommt und seit Generationen ein wichtiger Teil des Lebens in Malatya ist.
Als wir die Stadt besuchen, fällt uns zunächst gar nicht auf, welche Bedeutung dieses Wasser für Malatya hat. Die Stadt liegt in einer weiten Ebene, umgeben von Bergen. Im Sommer kann es heiß und trocken werden. Umso erstaunlicher ist es, wenn man sich auf den Weg in die höher gelegenen Gebiete macht.
Dort verändert sich die Landschaft.
Die Luft wird kühler, die Vegetation grüner und plötzlich hört man überall Wasser.
Wasser aus den Bergen
Eine der wichtigsten Wasserquellen Malatyas befindet sich bei Gündüzbey, etwa 19 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.
Hier, an den Hängen des Beydağı, tritt das Wasser aus dem Untergrund hervor. Die zentrale Wasserfassung liegt auf etwa 1.208 Metern Höhe. Das Wasser wird gesammelt und kann aufgrund des natürlichen Gefälles in Richtung Stadt geleitet werden.
Schon seit vielen Jahrzehnten wird diese Quelle für die Trinkwasserversorgung genutzt. Die Geschichte der Wasserfassung reicht sogar noch wesentlich weiter zurück. Quellen in dieser Gegend wurden bereits in früheren Jahrhunderten genutzt.
Es ist ein faszinierender Gedanke:
Während wir in Deutschland meist kaum darüber nachdenken, woher das Wasser aus dem Wasserhahn kommt, gehört die Verbindung zwischen Berg, Quelle und Stadt in Malatya ganz selbstverständlich zum Alltag.
Das Wasser kommt aus den Bergen.
Und die Stadt lebt davon.
Gündüzbey – raus aus der Stadt
Gündüzbey ist genau der richtige Ort, wenn man dem Trubel der Stadt für eine Weile entkommen möchte.
Hier ist es grüner. Bäume säumen die Wege, Wasserläufe begleiten die Straßen und überall gibt es kleine Plätze, an denen man sitzen und essen kann.
Im Sommer ist das besonders angenehm.
Während in Malatya die Sonne vom Himmel brennt, sorgt das Wasser aus den Bergen für eine ganz andere Atmosphäre.
Man sitzt im Schatten, hört das Plätschern des Wassers und fragt sich unweigerlich, wie viel Leben von einer Quelle abhängen kann.
Sehr viel.
Denn das Wasser sorgt nicht nur dafür, dass die Menschen trinken können.
Es hat auch die Landschaft geprägt.
Die grüne Seite von Malatya
Malatya liegt in einer Region, in der Landwirtschaft eine große Rolle spielt. Besonders bekannt ist die Stadt für ihre Aprikosen.
Die fruchtbaren Ebenen rund um Malatya profitieren von den Wasserläufen, Quellen und Bewässerungssystemen der Region. Die Provinz ist reich an Oberflächengewässern; zu den bedeutenden Flüssen und Wasserläufen gehören unter anderem Tohma, Kuruçay, Fırat und Sürgü Çayı.
Und dann sind da natürlich die Aprikosenbäume.
Im Sommer hängen die Früchte schwer an den Bäumen. Manche werden frisch gegessen, andere getrocknet und später auf den Märkten verkauft.
Wenn man durch die Gegend fährt, bekommt man schnell den Eindruck, dass Wasser und Landwirtschaft hier unmittelbar zusammengehören.
Ohne das Wasser aus den Bergen wäre diese grüne Landschaft kaum vorstellbar.
Eine Stadt zwischen Bergen und Geschichte
Malatya ist aber nicht nur Natur.
Die Region blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Besonders beeindruckend ist Arslantepe, eine archäologische Stätte vor den Toren der Stadt, die 2021 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.
Auch im historischen Stadtteil Battalgazi findet man Spuren vergangener Zeiten.
Moscheen, Karawansereien und alte Gebäude erzählen davon, dass Malatya schon lange ein wichtiger Ort zwischen verschiedenen Kulturräumen war.
Und trotzdem wirkt die Stadt heute nicht wie ein Museum.
Sie lebt.
Auf den Märkten wird gehandelt, in den Cafés sitzen Menschen zusammen und irgendwo findet sich immer ein kleiner Laden, in dem getrocknete Aprikosen angeboten werden.
Wasser, Aprikosen und ein Stück Alltag
Was uns an Malatya besonders gefällt, ist genau diese Verbindung.
Auf der einen Seite die kargen und teilweise beeindruckenden Berge.
Auf der anderen Seite die grüne Ebene mit Obstgärten.
Dazwischen eine Stadt, deren Leben seit Jahrhunderten vom Wasser abhängig ist.
Vielleicht ist es genau das, was Malatya von vielen anderen Städten unterscheidet.
Hier wird einem bewusst, dass Wasser nicht einfach nur aus einem Wasserhahn kommt.
Man kann seinen Weg zurückverfolgen.
Zu den Bergen.
Zu den Quellen.
Zu den kleinen Bächen und Wasserläufen, die sich durch die Landschaft ziehen.
Und irgendwann steht man in Gündüzbey, hört das Wasser plätschern und versteht, warum die Menschen hier so stolz auf ihre Quellen sind.
Unser Fazit
Malatya ist keine Stadt, die sich einem beim ersten Blick unbedingt aufdrängt.
Sie ist nicht Istanbul.
Nicht Antalya.
Nicht die klassische Türkei, die man aus den großen Reisekatalogen kennt.
Aber vielleicht ist genau das ihre Stärke.
Malatya zeigt eine andere Türkei.
Eine Türkei der Berge, der Quellen, der Obstgärten und der Menschen, die mit ihrer Landschaft leben.
Und wenn man einmal dort war, bleibt vor allem ein Gedanke hängen:
Eine Stadt, deren Wasser aus den Bergen kommt, hat eine ganz besondere Verbindung zu ihrer Umgebung.
Malatya ist für uns deshalb nicht nur die Stadt der Aprikosen.
Malatya ist auch eine Stadt des Wassers.