Der Wald, der Guardamar rettete – Die Geschichte des Pinienwaldes von Guardamar del Segura
Ein Wald zwischen Stadt und Meer
Wer heute durch die schattigen Wege des Pinienwaldes von Guardamar del Segura spaziert, erlebt eine überraschend ruhige Landschaft. Zwischen hohen Pinien, Palmen und Eukalyptusbäumen weht eine leichte Brise vom Mittelmeer herüber. Der Duft von Harz mischt sich mit salziger Meeresluft, während nur wenige Schritte entfernt die Wellen auf breite Sandstrände treffen.
Dass dieser Wald heute rund 800 Hektar Küstenlandschaft bedeckt, ist jedoch kein Zufall. Seine Entstehung ist das Ergebnis eines außergewöhnlichen Projekts, das vor mehr als einem Jahrhundert begann – und das die Zukunft der gesamten Stadt veränderte.
Als die Dünen zur Bedrohung wurden
Ende des 19. Jahrhunderts stand Guardamar del Segura vor einem ungewöhnlichen Problem. Durch starke Abholzung im Einzugsgebiet des Segura-Flusses gelangten große Mengen Sediment bis zur Flussmündung. Wind und Strömungen formten daraus riesige Sanddünen.

Einige dieser Dünen wuchsen auf über zwanzig Meter Höhe. Noch problematischer war jedoch ihre Bewegung: Jedes Jahr rückten sie mehrere Meter weiter in Richtung Stadt vor.
Der Sand drohte Häuser, Straßen und landwirtschaftliche Flächen zu verschütten.
Die Idee des Forstingenieurs Francisco Mira
Um das Jahr 1900 entwickelte der Forstingenieur Francisco Mira einen Plan, der zunächst ungewöhnlich klang. Statt die Dünen mit Mauern oder Barrieren aufzuhalten, wollte er sie durch Vegetation stabilisieren.
Die Lösung bestand darin, große Mengen Bäume zu pflanzen, deren Wurzeln den Sand fixieren sollten.

In den folgenden Jahrzehnten wurden mehr als 600.000 Bäume gepflanzt, darunter:
- Aleppo-Kiefern
- Pinien
- Dattelpalmen
- Eukalyptusbäume
Langsam begann sich die Landschaft zu verändern. Die Dünen stabilisierten sich, und aus der einstigen Sandlandschaft entstand ein dichter Küstenwald.
Der Pinienwald heute
Heute bildet der Wald eine der bedeutendsten Naturflächen an der südlichen Costa Blanca. Er schützt nicht nur vor Sandverwehungen, sondern sorgt auch für ein angenehmes Mikroklima und dient als wichtiges Naherholungsgebiet.
Besonders beliebt sind die schattigen Wege im Parque Alfonso XIII, der als Herzstück des Waldes gilt.
Hier verläuft eine rund 6,5 Kilometer lange Rundroute, die sich ideal für:
- Spaziergänge
- Fahrradtouren
- Jogging
- Naturbeobachtung
eignet.
Strände am Rand des Waldes
Direkt hinter den Dünen beginnen einige der schönsten Strände der Region. Der Wald geht hier fast nahtlos in die offene Küstenlandschaft über.

Zu den bekanntesten Strandabschnitten gehören:
- Platja dels Tossals
- Platja dels Vivers
- Playa del Moncayo
Diese Strände sind Teil eines der best erhaltenen Dünensysteme im spanischen Mittelmeerraum. Die Kombination aus Pinienwald, Dünen und Meer schafft eine Landschaft, die sich deutlich von vielen stark bebauten Küstenabschnitten unterscheidet.
Archäologie zwischen Pinien und Dünen
Neben der Natur besitzt das Gebiet auch eine überraschend reiche Geschichte. Archäologische Funde zeigen, dass hier schon lange vor der heutigen Stadt Menschen lebten.
Besonders interessant sind zwei Fundstätten:

La Fonteta
Überreste einer phönizischen Siedlung aus der Antike.
Rábita Califal
Eine religiöse Anlage aus dem 10. Jahrhundert, die aus der islamischen Zeit der Region stammt.
Diese historischen Orte lassen sich heute entlang der Wege durch den Wald entdecken und machen das Gebiet zu einer besonderen Mischung aus Natur und Geschichte.
Ein Symbol für Guardamar
Mehr als hundert Jahre nach seiner Entstehung ist der Pinienwald von Guardamar del Segura ein Symbol für die Stadt geworden. Er schützt die Küste, bietet Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten und zieht jedes Jahr viele Besucher an.
Gleichzeitig erinnert er an eine Zeit, in der die Bewohner gemeinsam mit Ingenieuren und Behörden ein großes Umweltprojekt verwirklichten.
Heute steht der Wald nicht nur für Naturschutz, sondern auch für die Geschichte einer Stadt, die gelernt hat, mit ihrer Landschaft zu leben.
Außerdem wachsen hier Eucalyptusbäume (Eucalyptus Globulus) und viele Palmen. Der Strand und das Meer ist durch das Naturschutzgebiet schön sauber. Leider sieht es mit der Sauberkeit im Wald stellenweise nicht so gut aus, da die Menschen ihren mitgebrachten Müll dort liegen lassen. Von hier aus ist es auch gut möglich in die nahegelegene Stadt zu laufen.



